Homeoffice international – leichter bewilligt als geklärt

Nachdem durch die Pandemie erhebliche Teile der Gesellschaft recht geübt mit dem Thema Homeoffice umgehen, gewinnen selbst bei kleinen Unternehmen die internationalen Fälle erheblich an Bedeutung.

Das Unternehmen sitzt im Inland, der Mitarbeiter möchte – oder soll – aber z. B. in Wien (EU), am Zürichsee (nicht-EU, aber bilaterale Abkommen), Mumbai oder Tokyo (Staaten mit Doppelbesteuerungsabkommen) oder Dubai (Staat ohne Doppelbesteuerung und ohne Einkommensteuer) arbeiten. Bei innerdeutschen Fällen wird dabei von der Verwaltung – m. E. sehr sportlich – postuliert, dass daraus keine Betriebsstätte erwachsen soll. Solange nicht die Geschäftsleitung an einem anderen Ort arbeitet, soll man sich folglich über die Zerlegung der Gewerbesteuer auf die Tätigkeit keine Gedanken machen müssen. Wie lange diese gesetzlich nicht kodifizierte Theorie hält, bleibt abzuwarten, zumal die Fälle nicht schwarz-weiß sind, z. B. wenn der Arbeitgeber die als Homeoffice genutzten Räume anbietet. Im internationalen Fall ist die Situation wesentlich komplexer und die Wertungen entsprechen nicht der Perspektive innerhalb eines einzelnen Staates.

Schon seit vielen Jahren bekannt ist, dass die sozialversicherungsrechtliche Dimension erheblich ist und sich oft der Sozialversicherungsträger des Tätigkeitsstaats beim Arbeitgeber meldet. Steuerlich entsteht hier gemäß Art. 5 des OECD-Muster-Doppel­besteuerungsabkommens schnell eine Betriebsstätte (oft Geschäftsstelle, Art. 5 Abs. 2 c) DBA). Häufig rettend ist noch, dass eine Gewinnzuordnung zu einer solchen Betriebstätte nach Art. 7 DBA nicht immer erfolgt, sondern dann, wenn in der Betriebsstätte wertschöpfungsrelevante Funktionen ausgeübt werden. Die Grenzen dessen sind allerdings leider sehr fließend. Ratsam bleibt es daher, die Komplexität internationaler Homeoffice-Fälle gut im Blick zu behalten und diese nicht vorschnell zu bewilligen.

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